AfD, Pegida, „Identitäre“ und andere:
Die „Neue Rechte“ und deren Wurzeln in „1968“

Beginn: Fr., 23.02.2018, 20:00 Uhr

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Der Soziologe und Journalist Thomas Wagner gibt Einblicke in die verschiedenen Strömungen der „Neuen Rechten“ – und weist auf deren historische Wurzeln hin.

Vor mehr als 40 Jahren entstand unter dem Eindruck von „1968“ und der „Neuen Linken“ auch eine „Neue Rechte“, die gegen die „Alte Rechte“ aufbegehrte. Was verbirgt sich hinter dem Begriff, was verbindet die heutige mit der früheren „Neuen Rechten“ – und wie stark ist deren Einfluss auf  die AfD ?

Thomas Wagner kommt zu dem Ergebnis, dass die Studenten- und Kulturrevolte der 1960er Jahre Jahre auch für das „rechte Lager“ einen deutlichen politischen Bruch darstellte. Die damals entstandene „Neue Rechte“ grenzte sich von der „Alten Rechten“ und deren NS-Nostalgie scharf ab – und verehrte den Hitler-Attentäter Stauffenberg. Wirkt der damalige Bruch bis heute nach?

Teile der damaligen „Neuen Rechten“ beriefen sich auf den Mitbegründer der Sozialdemokratie, Ferdinand Lasalle. Einige wenige schwärmten sogar vom chinesischen Weg zum Sozialismus – und propagierten gleichzeitig eine Welt ohne Waffen. Der neue Regionalismus in Europa und die Anti-Atombewegung entfremdeten einen Teil der „Neuen Rechten“ („linke Leute von Rechts“) von den konservativen „Neu-Rechten“, in deren Marschgepäck sich die Bücher von Arnold Gehlen, Helmut Schelsky und Carl Schmitt befanden. Dass der Opportunist Schmitt 1933 als Hochschullehrer gegen jüdische Kollegen gehetzt und ihre Entlassung gefordert hatte, störte diese Konservativen anscheinend nicht. Antisemiten konnten sich dadurch ermutigt fühlen. Tatsächlich wurde das Etikett „Neue Rechte“ zeitweise sogar von Leuten benutzt, die sich zum Nationalsozialismus bekannten. Das macht die Verwirrung perfekt.

Vieles von dem, was damals unter dem Begriff der „Neuen Rechten“ zusammengefasst wurde, stellt sich bei näherer Betrachtung als unterschiedlich oder sogar als gegensätzlich dar. Wie ist das heute? Was ist das verbindende Merkmal der heutigen „Neuen Rechten“? Die Ablehnung der Politik der offenen Grenzen kann es allein nicht sein, denn diese Politik wird auch von anderen kritisiert. Aber was ist es dann?

Thomas Wagner weist auf die Verbindungslinien zwischen heutiger und früherer „Neuer Rechter“ hin. Er hinterfragt das Selbstverständnis der Protagonisten. In den Gesprächen, die er mit Vertretern und Beobachtern der Szene geführt hat (Götz Kubitschek, Ellen Kositza, Martin Sellner, Alain de Benoist, Henning Eichberg und andere), wird deutlich, wie irreführend Begriffe sein können. Das gilt insbesondere für den Begriff des „Ethnopluralismus“, trifft aber auch auf den Begriff „Angstmacher“ im Buchtitel zu. Wovor haben eigentlich diejenigen Angst, die laut vor der „Neuen Rechten“ warnen, aber eine öffentliche Diskussion mit deren Vertretern scheuen?  Mutmacher sind sie jedenfalls nicht.

Thomas Wagner ist von einem anderen Schlag. Er hat den vom Verlag gewählten Buchtitel nicht zu verantworten. Thomas Wagner zeigt die unterschiedlichen Kräfte und Strömungen der „Neuen Rechten“ auf und weist auf Ursprünge und Widersprüche hin. So werden in dem Buch auch die „blinden Flecken“ im Selbstverständnis der „Neuen Rechten“ sichtbar – obwohl es vordergründig nicht darum geht.

Was aus „blinden Flecken“ werden kann, zeigen einige Äußerungen führender AfD-Politiker, die der „Neuen Rechten“ nahestehen. Ihre jüngsten Aussagen über den Umgang mit der deutschen Geschichte sind allerdings alles andere als „neu“. Man will stolz sein auf die „Leistungen deutscher Soldaten“ im Zweiten Weltkrieg und will die deutsche Geschichte „entsorgen“, indem man eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ fordert. Für das Gedenken an die Opfer des NS-Völkermords wäre dann wohl kaum noch Raum. Wie passt das mit dem Hitler-Attentäter Stauffenberg zusammen, der von weiten Teilen der „Neuen Rechten“ verehrt wird? Dessen Handeln war gerade auch von dem Entsetzen über die NS-Verbrechen bestimmt.

Der Journalist Jürgen Deppe hat in der Sendung „NDR-Kultur“ mit Thomas Wagner gesprochen. Hier lesen Sie das Interview.

Thomas Wagner, geboren 1967 in Rheinberg, studierte in Aachen Soziologie. Er lehrte und forschte in Dresden und promovierte in Münster. Als Dozent für Alphabetisierung und Kreatives Schreiben arbeitete er mit Kindern und geistig behinderten Erwachsenen. Er schrieb als freier Autor unter anderem für die ZEIT und für die Süddeutsche Zeitung. Thomas Wagner schreibt für die JUNGE WELT und ist Autor des Historisch-Kritischen Wörterbuchs des Marxismus. Publikationen unter anderem „Die Mitmachfalle“ (2013) und „Robokratie“ (2015).

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